Sektion Herzogenbuchsee

„Wir können etwas dagegen machen“

11.11.2024

Mobbing oder Cybermobbing ist ein Thema, das uns mittlerweile im Alltag stark beschäftigt. Die SVP Herzogenbuchsee veranstaltete dazu einen Infoanlass, bei dem Fachleute Auskunft und Ratschläge erteilten. David Pfyl, Hauptschulleiter, erläuterte zudem, wie die Schulen in Herzogenbuchsee mit diesem Thema umgehen.

«Mobbing geht uns alle an», mit diesem Spruch leitete Daniel Polling, Vizepräsident der SVP Herzogenbuchsee, den Infoanlass zu einem brandaktuellen Thema ein, das in vielen Schulen, Vereinen, aber auch anderen Institutionen zum Alltag gehört. Vor allem Cybermobbing erfasst mittlerweile sämtliche Gesellschaftsschichten und Alterskategorien. «Wir können etwas dagegen tun», eröffnete Simone Allemann von der Kantonspolizei Bern den Abend mit einer hoffnungsvollen Botschaft. Sie erläuterte zu Beginn, was unter Mobbing zu verstehen ist und machte klar, dass es sich bei diesem Begriff in erster Linie um eine Machtdemonstration handelt, in der Regel würden hier mehrere Personen gegen eine Person in Erscheinung treten. «Mobbinghandlungen finden bewusst statt», führte sie weiter aus. Gängige Mobbingformen seien Schikane, Verleumdung, Blossstellen, Ignorieren. Beim Cybermobbing wiederum gehe es um schnelles Verbreiten von rufschädigenden Inhalten, die rund um die Uhr mittels Internet und via Social Media stattfinden würden.

Mobbing gab es schon immer
Mobbing geschehe oft unter dem Radar von Eltern und Bezugspersonen. Simone Allemann betonte aber auch, dass Mobbing keine neue Erscheinung sei, sondern bereits immer betrieben worden sei, nur habe dafür ein allgemeiner Begriff gefehlt. «Das passierte schon vor über 50 Jahren auf dem Pausenplatz, nur ohne Handy und niemand sprach von Mobbing». Kinder seien damals «gehänselt» worden, gab sie zu verstehen. Die Fachfrau der Kantonspolizei erteilte den rund 40 anwesenden Personen Ratschläge, wie dagegen vorzugehen sei. Wenn möglich gelte es den «mobbenden» Grenzen zu setzen, Zeugen einzubeziehen, das Schweigen zu brechen und man sollte Unterstützung holen.

Beim Cybermobbing wiederum sollte man beachten, dass man auf Angriffe nicht reagiert, gelte es Beweismittel zu sichern und sollten Cyber-Mobber wenn möglich gesperrt werden. «Wer beim Mobbing nichts macht und Zuschauer ist, gehört zur Gruppe der mobbenden», machte sie klar, dass dieses Fehlverhalten genauso verwerflich ist. Eltern müssten genau hinschauen, ob sich das Verhalten ihrer Kinder plötzlich drastisch verändere. Mobbing sei aber auch für die Täter und Mitläufer oft eine sehr belastende Situation, erwähnte sie abschliessend.

ChatGPT erteilt Ratschläge
David Pfyl, Hauptschulleiter, erläuterte anschliessend, wie an den Schulen in Herzogenbuchsee mit diesem Thema umgegangen wird. «Wir setzen uns dafür ein, ein diskriminierungssensibles und respektvolles Schulklima zu schaffen», betont er. Im Vorfeld des Infoanlasses habe er ChatGPT befragt, welche Ratschläge Künstliche Intelligenz zur Bekämpfung von Mobbing und Cybermobbing an Schulen erteilt. Dabei sei ihm geraten worden, Präventionsprogramme einzuführen, die Schüler für Empathie und Respekt zu sensibilisieren, regelmässige Workshops durchzuführen, um eine respektvolle Kultur zu fördern, Online-Verhaltensregeln zu definieren oder eine Anlaufstelle für betroffene Schüler zu schaffen.

Pfyl informierte, dass man an der Schule Herzogenbuchsee für dieses Thema einen systemischen Ansatz wähle, der sich «Neue Autorität» nenne. Dieser unterstütze die Erziehungsverantwortlichen darin, «präsent» zu bleiben oder wieder zu werden. Die Interventionen zielen laut Pfyl darauf ab, die Bindung zu den Kindern zu erneuern und zu festigen. «Damit unterscheidet sich die <Neue Autorität> von Kontrolle, Durchsetzung oder Macht, denn sie stellt die Verbundenheit in den Mittelpunkt», erläuterte der Hauptschulleiter.

Fachstelle «Hilfe bei Mobbing»
Man baue auf starke Beziehungen und ein Gemeinschaftsgefühl, investiere in Gewaltprävention, strebe eine Partizipation aller Beteiligten an, stärke die Selbstverantwortung, indem Schüler ermutigt würden, ihre eigenen Handlungen zu reflektieren und Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen. Und nicht zuletzt schaffe man eine positive Lernatmosphäre. Aber, das machte David Pfyl klar, ohne Regeln gehe es nicht. So gibt es an den Schulen in Herzogenbuchsee gewisse Verhaltensregeln, an die sich alle zu halten haben. Das Schulgelände ist während der Schulzeit eine Natel- und Smartwatch-freie Zone, das sichtbare Tragen von Natels oder Smartwatches ist nicht erlaubt, die Geräte müssen unsichtbar und ausgeschaltet/lautlos sein. Auf Schulreisen und in Landschulwochen werden die Geräte nicht mitgenommen. Beim ersten Verstoss würden Fehlbare verwarnt, beim zweiten Verstoss werde das Gerät eingezogen und kann nur durch die Eltern bei der Schulleitung abgeholt werden.

Zum Schluss des Abends stellte Bettina Dénervaud, Fachberaterin Mobbing, die unabhängige Institution «Hilfe bei Mobbing» vor, welche sie 2019 ins Leben rief. Die frühere Lerncoachin betreibt mit einem Team die Fachstelle, die als Ratgeber für Eltern und Schule zur Verfügung steht und oft genutzt wird. «So werden beispielsweise die telefonischen Beratungen rege in Anspruch genommen und wertgeschätzt. Die involvierten Personen, seien es nun Eltern oder Lehrpersonen, machen so einen ersten Schritt aus ihrer Machtlosigkeit heraus, holen sich unseren fachlichen Rat und unsere neutrale Einschätzung. Und vielleicht das Wichtigste daran: Sie werden angehört und ernst genommen und fühlen sich meist nicht mehr ganz so alleine gelassen. Aus dieser oft neuen Perspektive können die nächsten sinnvollen Schritte geplant werden, die zur Auflösung der Mobbingsituation beitragen», erläuterte sie gegenüber den Anwesenden. (textwerk/war)

Bildlegende: Sie führten durch den Infoanlass zum Thema Mobbing (von links): Daniel Polling (Vizepräsident SVP Herzogenbuchsee), Bettina Dénervaud (Fachstelle «Hilfe bei Mobbing») und David Pfyl (Hauptschulleiter Herzogenbuchsee). Auf dem Bild fehlen Simone Allemann und Priska Kiener, Präventionsmitarbeiterinnen der Kantonspolizei Bern (Bild: Walter Ryser)